Der Foodwaste Guide: so landet bei dir kaum noch Essen im Müll
Ich hab früher jede Woche Essen weggeworfen. Nie viel auf einmal. Einen halben Salat, den Rest Frischkäse, drei braune Bananen. Aufs Jahr gerechnet kommt da trotzdem einiges zusammen, in Deutschland sind es im Schnitt rund 78 Kilo pro Person.
Das Verrückte ist, dass fast nichts davon beim Kauf schlecht war. Es lag einfach zu lange hinten im Kühlschrank, und irgendwann war es zu spät.
Irgendwann hab ich mir angeschaut, wo genau das passiert, und es sind immer dieselben paar Stellen. Hier steht, was bei mir wirklich etwas geändert hat. Du musst nicht alles davon machen. Such dir zwei Sachen raus und fang damit an.
Es fängt im Supermarkt an
Der beste Trick ist leider der langweiligste: einmal in den Kühlschrank schauen, bevor du losgehst. Wenn du dafür zu faul bist, und ich bin es oft, mach ein Foto vom offenen Kühlschrank. Das dauert zwei Sekunden, und du stehst später nicht vor dem Regal und überlegst, ob noch Milch da ist.
Genau so entsteht nämlich die dritte Tube Tomatenmark. Und das zweite Glas Senf. Man kauft es, weil man sich nicht mehr sicher ist, ob noch was da ist.
Was mir auch geholfen hat: Ich kaufe inzwischen für drei oder vier konkrete Abendessen ein und nicht mehr einfach „für die Woche". Alles, was ohne Plan im Wagen landet, ist später genau das Zeug, das übrig bleibt.
Bei Großpackungen und drei für zwei frage ich mich noch im Laden, was mit dem Rest passiert. Kann ich es einfrieren, nehme ich es mit. Fällt mir nichts ein, war es kein Angebot.
Das Datum auf der Packung
Hier wird am meisten weggeworfen, was noch gut wäre. Auf Packungen stehen zwei verschiedene Angaben, und die bedeuten nicht dasselbe.
„Mindestens haltbar bis" heißt nur, dass der Hersteller bis dahin garantiert, dass alles schmeckt und aussieht wie am ersten Tag. Danach ist es nicht automatisch schlecht. Joghurt hält oft noch eine Woche länger, manchmal zwei. Hartkäse auch. Bei Nudeln, Reis und Konserven reden wir von Monaten. Aufmachen, anschauen, riechen, probieren. Die eigene Nase ist da ziemlich zuverlässig.
„Zu verbrauchen bis" ist etwas anderes. Das steht auf Hackfleisch, frischem Hähnchen und rohem Fisch, und das ist ernst gemeint. Da wird nach dem Datum nichts mehr probiert. Wenn du absehen kannst, dass du es nicht schaffst, frier es rechtzeitig ein.
Was wohin gehört
Ich hatte jahrelang Tomaten im Kühlschrank. Die gehören da nicht rein, in der Kälte verlieren sie ihren Geschmack. Brot auch nicht, das wird im Kühlschrank schneller altbacken als draußen. Bananen werden braun. Zwiebeln und Kartoffeln wollen es dunkel und kühl, aber nicht nebeneinander, sonst treiben die Kartoffeln aus. Honig und Olivenöl brauchen überhaupt keinen Kühlschrank.
Im Kühlschrank selbst ist es übrigens nicht überall gleich kalt. Unten, direkt über dem Gemüsefach, ist es am kältesten, da gehören Fleisch und Fisch hin. Die Tür ist die wärmste Stelle. Butter, Getränke und Soßen sind dort gut aufgehoben. Milch eigentlich nicht, auch wenn das Fach so aussieht, als wäre es dafür gebaut.
Ein paar Kleinigkeiten, die bei Gemüse viel ausmachen:
- Kräuter kommen in ein Glas Wasser, wie Blumen.
- Möhren bleiben in einer Dose mit Wasser deutlich länger knackig.
- Salat mag ein Blatt Küchenpapier in der Dose. Das zieht die Feuchtigkeit raus, von der er matschig wird.
- Käse lieber in Backpapier als in Folie, dann schwitzt er nicht.
- Äpfel liegen am besten allein. Sie lassen alles um sich herum schneller reif werden.
Am meisten gebracht hat bei mir aber eine simple Box im Kühlschrank. Da kommt alles rein, was als Erstes weg muss: der offene Frischkäse, die halbe Paprika, der Joghurt von letzter Woche. Wer Hunger hat, schaut zuerst da rein.
Einfrieren
Das Gefrierfach ist eine Pausetaste. Was reinkommt, bleibt so, wie es gerade ist. Es wird nicht mehr schlechter, aber eben auch nicht besser. Trockenes Brot kommt trocken wieder raus. Deshalb lieber einen Tag zu früh einfrieren als einen zu spät.
Und es geht viel mehr, als man denkt:
- Brot. Vorher in Scheiben schneiden, sonst taust du jedes Mal den ganzen Laib auf. Die Scheiben kommen gefroren direkt in den Toaster. Hält ein bis drei Monate.
- Bananen. Unbedingt vorher schälen. Aus einer gefrorenen Schale bekommst du sie nicht mehr raus, ich habe es versucht. Gut für Smoothies und Bananenbrot. Drei Monate.
- Geriebener Käse. Gouda, Emmentaler, Parmesan. Erst reiben, dann einfrieren, am Stück wird er bröselig. Kommt gefroren direkt auf den Auflauf. Zwei bis drei Monate.
- Gekochter Reis. Nicht stundenlang im Topf stehen lassen. Innerhalb einer Stunde abkühlen, portionsweise in Gefrierbeutel, flach drücken. Beim Aufwärmen richtig heiß werden lassen und nur einmal aufwärmen. Einen Monat.
- Ingwer. Die ganze Knolle, mit Schale. Gefroren lässt er sich sogar besser reiben als frisch. Ein halbes Jahr.
- Eier. Nie in der Schale, die platzt. Aufschlagen, verquirlen, in kleine Dosen füllen und draufschreiben, wie viele es sind. Im Kühlschrank auftauen und danach durchgaren. Ein halbes Jahr.
- Tomatenmark. Löffelweise auf Backpapier klecksen, anfrieren lassen, dann in einen Beutel umfüllen. So einen Klecks wirfst du gefroren in die Soße. Drei bis sechs Monate.
- Zitronen. In Scheiben erst auf einem Brett anfrieren, dann in den Beutel, sonst hast du einen Klumpen. Drei Monate.
- Pfannkuchen. Abkühlen lassen und mit Backpapier dazwischen stapeln. Ein bis zwei Monate.
- Butter. Im Papier lassen und zusätzlich in einen Beutel, sie nimmt schnell Gerüche an. Ein gutes halbes Jahr.
- Frische Kräuter. Hacken und in der Eiswürfelform mit Öl oder Wasser auffüllen. Petersilie, Schnittlauch und Dill machen das gut mit. Aus Basilikum mach lieber vorher Pesto.
- Hackfleisch und anderes Fleisch. Am Tag des Einkaufs einfrieren und nicht erst kurz vor dem Datum. Hackfleisch im Beutel flach drücken, dann ist es in einer halben Stunde aufgetaut. Ein bis drei Monate.
- Fertig gekochtes Essen. Eintöpfe, Currys, Bolognese, Suppen. Dafür ist das Gefrierfach gemacht. Drei Monate.
Beeren, gehackte Zwiebeln, ganze Chilischoten und Nüsse gehen auch. Brühe und der letzte Schluck Wein kommen in die Eiswürfelform.
Ein paar Sachen gehen nicht. Alles, was fast nur aus Wasser besteht und roh gegessen wird, also Gurken, Blattsalat und Radieschen, ist danach Matsch. Rohe Kartoffeln werden glasig, hart gekochte Eier zäh wie Gummi. Joghurt, Quark und Mayonnaise flocken beim Auftauen aus. Und rohes Fleisch, das schon einmal aufgetaut war, muss erst gebraten oder gekocht werden, bevor es wieder rein darf.
Drei Dinge, an die ich mich inzwischen halte: Luft aus dem Beutel drücken, flach einfrieren und draufschreiben, was es ist und von wann. Das Beschriften klingt übertrieben, bis man zum ersten Mal Bolognese auftaut und es Chili ist.
Reste
Wenn ich etwas koche, das sich gut aufwärmen lässt, mache ich gleich die doppelte Menge. Die Hälfte kommt in eine Dose, bevor wir essen. Nach dem Essen macht das keiner mehr.
Einmal die Woche gibt es bei uns, was da ist. Gemüsereste in die Pfanne, Ei drüber, Reis oder Nudeln dazu. Hat keinen Namen und schmeckt fast immer.
Am besten klappt es, wenn ein Essen ins nächste übergeht. Das Ofengemüse vom Montag wird am Dienstag in Wraps gewickelt. Der Rest Feta vom Mittwoch landet am Donnerstag in den Nudeln.
Dran denken ist das Schwierige
Nichts davon ist kompliziert. Schwierig ist nur, im richtigen Moment dran zu denken. Im Laden zu wissen, was zu Hause noch liegt. Heute mitzubekommen, dass der Joghurt morgen abläuft, und nicht erst übermorgen.
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